Die Luft für Christen in China wird dünner
Nach wie vor haben wir durch langjährige Freunde in China und durch chinesische Brüder in Deutschland, die durch Besuche in China oder durch digitale Medien gut informiert sind, eine relativ gute Übersicht über die Situation der vielen Christen in diesem großen Land.
Allerdings mit der Einschränkung, dass die äußeren Umstände je nach Provinz unterschiedlich sein können. Dabei stütze ich (Wolfgang) mich vor allem auf die Informationen, die ich von meinem Freund Jin Wei bekommen habe, mit dem ich viele Jahre in China eine Menge Gemeinden und Geschwister besuchen konnte, die wiederum zum großen Teil mit vielen Gemeinden in den verschiedenen Provinzen Chinas gut vernetzt sind.
Gespräch mit einem hohen Beamten einer Millionenstadt
Dieser Beamte hat bestätigt, dass alle Hausgemeinden in den jeweiligen Provinzen laut Gesetz illegal sind. Wenn jemand also aus der Nachbarschaft eine Hausversammlung anzeigt, dann muss die Regierung dem Fall nachgehen und die Gemeinde auflösen.
Wenn es aber keine Anzeige gibt, bedrängt die Regierung meist nicht aktiv die Hausgemeinden. Da aber bekannt ist, dass gerade unter Schülern und Studenten eifrig evangelisiert wurde und wird, hat mancherorts die Regierung Alarm geschlagen. Die jungen Leute sind die Zukunft Chinas und sollen natürlich von der Partei geprägt werden.
Dennoch sind die lokalen Polizeibehörden meist gut darüber informiert, dass die Christen allgemein gut ausgebildet sind und gute, fleißige und friedliche Bürger sind.
Solange sie sich nicht politisch engagieren und gegen den Staat opponieren, lässt man sie weitgehend in Ruhe.
Der Besuch einer staatlichen Kirche

Als Jin Wei letztes Jahr mit seinem 14jährigen Sohn eine der staatlichen Kirchen (Drei-Selbst-Kirche) besuchen wollte, wurde ihm erklärt, dass es seit einigen Monaten verboten ist, Kinder unter 18 Jahren mit in die Kirche zu nehmen.
Zu dieser lokalen Kirche gehören etwa 10.000 Mitglieder. Vor dem neuen, riesigen und modernen Kirchengebäude waren jede Menge Überwachungskameras installiert.
In dieser Kirche befinden sich etwa 2.000 Sitzplätze (ca. 1.500 Sitzplätze im neuen Gebäude und etwa 500 Plätze im alten Nebengebäude). Es werden jeden Sonntag über den Tag verteilt drei Gottesdienste durchgeführt, so dass an jedem Sonntag etwa bis zu 10.000 Besucher eine Predigt hören können.
Da in dieser Kirche der Pastor ein entschieden gläubiger Christ ist (was in den staatlichen Kirchen eher eine Ausnahme ist), kommen auch viele, die früher in den illegalen und verbotenen Hauskirchen Mitglied waren, zu diesen Predigten.
Leider ist es aber so, dass in diesen staatlich überwachten Kirchen besonders dort, wo gläubige Pastoren sind, die Verkündigung sehr intensiv geprüft wird und bestimmte biblische Themen, die der kommunistischen Doktrin nicht entsprechen, verboten sind und meist auch deswegen verschwiegen oder nur „verschlüsselt“ gepredigt werden.
Aber immerhin werden noch die alten Kirchlieder gesungen und eine gewisse christliche Tradition gepflegt – auch wenn verlangt wird, die chinesische Flagge zu hissen, oder das Bild von Xi Jingping aufzuhängen.
Dennoch: „Mehr Druck – mehr Wachstum!“
Diese bekannte Erfahrung des heimgegangen Predigers Samuel Lamb (1924 – 2013) aus Guangzhou, der über 20 Jahre in Haftlagern zuggebracht hat, bewahrheitet sich aber auch in der Gegenwart.
Der politische Druck sorgt vermehrt für weit verbreitete Gebetskreise in kleinen Gruppen, für verstärktes Bibelstudium, Zusammenhalt der Geschwister und persönliche Evangelisation.
Die absolute Kontrolle und Überwachung des Staates führen zur Isolation und zum gegenseitigen Misstrauen vieler Menschen. Aber gleichzeitig wird bei vielen Chinesen Sehnsucht nach vertrauten Beziehungen und Gemeinschaft geweckt und damit offene Türen für glaubwürdig gelebtes Christsein bewirkt.
Beten wir für unsere Geschwister in China um Standhaftigkeit und ansteckende Glaubwürdigkeit.